Ilana

Für mich war es anfangs nicht so etwas Besonderes nach Deutschland zu kommen, denn ich bin schon so oft in Europa gewesen. Und nun, am Ende meines Besuches, merke ich, wie besonders es für mich in dieser momentanen Situation war. Vor allen Dingen deshalb, weil ich vergessen habe, was es bedeutet, morgens aufzuwachen und, wie Oded gesagt hat, nicht immer zu hören, dass wieder etwas passiert ist.

Ich hatte vergessen, wie es ist, abends schlafen zu gehen, ohne von Schmerz beladen zu sein, aufgrund der Sachen, die in Israel wieder vorgefallen sind, wie zum Beispiel eine Terrorattacke, in der Menschen ums Leben kamen oder verletzt wurden. Ich hatte vergessen, wie es ist, ruhig und friedlich leben zu können. Und in dieser Woche habe ich mich daran erinnert, wie das ist. Ich habe mich auch daran erinnert, wie es sich anfühlt, heil, ganz zu sein und Spaß zu haben.

Ein ganz besonderer Moment war für mich, mit Reinhard Klavier zu spielen, da ich acht Jahre lang in einem Orchester Klarinette gespielt habe. Ich habe mich ganz gefühlt. Und ich möchte dir sehr dafür danken, dass du mir dadurch dieses Gefühl gegeben hast.

Ich erinnere noch einen ganz besonderen Moment. Das war gestern, als wir bei der Bundeswehr waren. Die Armee zu besuchen war interessant und lustig, aber was für mich so besonders war – es war schmerzlich und fröhlich zugleich, ich weiß gar nicht wie ich das beschreiben soll – als wir vor dem Mittag essen unsere Nationalhymne sangen. Noch nie habe dabei geweint. Aber gestern musste ich aufgrund einer ganz bestimmten Zeile weinen. Dort geht es darum, eine „freie Nation in unserem Land – in Israel – zu sein“. Und ich musste weinen, weil wir genau das nicht haben. Und dann sehe ich euch, und ich beneide euch, dass ihr morgens aufstehen und ohne Angst überall hingehen könnt, wo ihr wollt. Das gibt mir Energie, weil ich daran sehe, dass es Hoffnung gibt. Und wenn ihr vor 50 Jahren nicht öffentlich sagen konntet, was ihr dachtet und heute unbehelligt durch die Straßen gehen könnt, gibt es auch für uns Hoffnung. Und aus dieser Hoffnung heraus möchte ich leben und nicht noch einmal bei unserer Nationalhymne weinen, sondern lächeln, weil sie eines Tages Wahrheit sein wird.

Seit die Intifada, die schlimme Situation in Israel, begonnen hat, war ich nicht mehr außer Landes. Ich hatte ständig Angst aufgrund der Situation in Israel. Ich habe vergessen, dass es auch anders sein kann. Jetzt bin ich hier und ich habe keine Angst, die Straßen entlang zu laufen, in eine Disko oder einen Laden zu gehen. Ich muss mich nicht ständig nach allen Seiten umschauen. Und mir ist klar geworden, dass es auch in Israel so sein könnte wie hier. Ruhig und sicher für alle. Und ich genieße das so sehr und möchte es am liebsten mit nach Israel bringen. Es ist wie ein Traum, dass es in Israel genau so sein könnte, wie hier. Die Herzlichkeit der Gastgeber; wie ihr uns empfangen und uns behandelt habt, hat mein Herz sehr berührt. Es gefällt mir in diesem pastoralen Umfeld, hier in Deutschland. Ich war schon einmal in Deutschland, und es ist genauso, wie ich es erinnere: friedlich, ruhig, wunderschön, sehr grün und sehr viel Wasser. Es ist wirklich besonders, sehr europäisch. Ich mag es hier sehr, und ich mag auch die Freunde, mit denen ich gekommen bin. Es macht mir Spaß, hier zu sein, ich kann mich einfach entspannen und Abstand bekommen von der Situation in Israel. Ich möchte euch danken, es berührt mein Herz.

Das ist alles. Danke.


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